Grenzgeschichte DG - Autonome Hochschule in der Deutschsprachigen Gemeinschaft

 

 

Dokumentarfilm von Herbert Ruland, 60 Min. Belgien, deutsch, 2010 


Sehen Sie hier die BRF-Reportage zur Uraufführung in Sachsenhausen.

GrenzGeschichteDG, das Zentrum füŁr Erinnerungsarbeit und Holocaust-Education in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, vermittelt unter anderem Zeitzeugen an Schulen, die über ihre persönlichen Erlebnisse mit den Nationalsozialisten in der Vorkriegs- und Besatzungszeit berichten.
Da aber kein Mensch ewig lebt, dieses Wissen aber der Nachwelt und damit auch den Schulen überliefert werden soll, produziert GrenzGeschichteDG lebensgeschichtliche Interviews und teilweise auch aufwäšndiger gemachte Dokumentarfilme mit ZeitzeugInnen.
Zu diesen Menschen, die hier berichten, gehört auch Charles Dekeyser, der heute in Welkenraedt bei Eupen wohnt.

Die Eltern von Charles stammten aus Torhout in Westflandern, einer der damals ärmsten und dazu noch fast vollständig durch die Flandernschlachten zerstörten Gegenden Belgiens. Aus wirtschaftlicher Not, aber auch um heiraten zu können, verzogen die Eltern nach Rijssel (Lille) in Frankreich wo Charles am 23.5.1921 als ältester Sohn geboren wurde. Dort fand der Vater, Kriegsfreiwilliger 1914-1918 (harte) Arbeit in einer Gasfabrik. Die fürchterlichen Fronterlebnisse hatten den Vater zum jähzornigen Trunkenbold gemacht, Geld blieb kaum übrig und zu Hause zertrümmerte er das Porzellan.

1931 floh die Mutter mit ihren bis dahin geborenen drei Söhnen zurück nach Torhout, wo sie unter erbärmlichsten Verhältnissen hausten. Charles besuchte hier die flämische Volksschule, aber trotz hoher Begabung, konnte er auf Grund der finanziellen Verhältnisse der Eltern keine höhere Schule besuchen. Wie die ganze Familie hielt er sich bis zum deutschen Einmarsch mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser.

Nach der Besetzung wurden alle Familienmitglieder arbeitslos, Unterstützung von der Gemeinde gab es nicht. Um die Familie vor dem Nichts zu bewahren meldete Charles sich „freiwillig“ zur Arbeit nach Deutschland. Zunächst beim Flughafenbau in Burg an der Saale und später in der Panzerschmiede Harkort-Eicken in Wetter an der Ruhr beschäftigt, versuchte Charles mehrfach sich nach Belgien abzusetzen. Mit den Nazi-Machthabern legte Charles sich auch direkt an. Im Januar 1943 wurde er wegen Sabotagevorwurfs und „politischer Bedrohung“ von der Gestapo verhaftet und in das Polizeigefängnis Steinwache in Dortmund „der Hölle des Westens“ verbracht.

Im Mai 1943 erfolgte seine Überstellung in das KZ Flossenbürg in Bayern. Seine ersten Erlebnisse und die Zustände dort waren so brutal, dass er kaum glaubte, dieses Lager länger als ein halbes Jahr überstehen zu können. Aber Charles hatte Glück, auch hier gab es Menschen, die anderen halfen und als im Juni 1944 Metallfacharbeiter für das KZ Sachsenhausen gesucht werden, meldet er sich nach dort.

Nach einigen Tagen im Stammlager ging es in das bei den Häftlingen überaus gefürchtete Außenlager Klinker, wo eine Granatenfabrik eingerichtet wurde. Die Produktion aber war kriegswichtig und deshalb wurden die hier eingesetzten Personen nicht zusätzlich terrorisiert. Aus seinem rein persönlichen subjektiven Erleben schildert Charles deshalb Flossenbürg als „Krematorium“ und Sachsenhausen als „Sanatorium“. Nach schweren Zerstörungen durch Bombenangriffe wurde das Außenlager am 20. April 1945 geräumt. Am nächsten Tag ging es auf den Todesmarsch Richtung Ostsee, den viele Häftlinge durch SS-Terror und Entkräftung nicht überlebten und der für Charles erst mit der Befreiung durch die Sowjetarmee am 5. Mai 1945 endete.

Nach der Befreiung arbeitete Charles zunächst bei der britischen Zensurbehörde in Bonn und begann Ende der vierziger Jahre eine Karriere im Speditionsgewerbe in der belgischen Grenzgemeinde Welkenraedt.
1990 besuchte er in einem Nachbardorf eine Ausstellung über das KZ Sachsenhausen, Schicksalsort vieler Belgier aus dem von Deutschland 1940 annektierten Gebiet von Eupen-Malmedy-Moresnet.
Charles wurde mit der eigenen Geschichte, von der er auch nie in der Familie berichtet hatte, konfrontiert und ging ihr nach.
Seitem engagiert sich Charles in der Zeitzeugenarbeit an Schulen im In- und Ausland und auch im Wissenschaftlichen Fachbeirat der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, der u.a. den endgültigen Ausbau dieses Erinnerungsortes betreibt. Er ist heute Vorsitzender der ehemaligen belgischen Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg.

Der Film geht diesen Lebensabschnitten, fast immer an den Originalschauplätzen, die wir mit Charles besucht haben, nach.

Sehen Sie hier die BRF-Reportage zur Uraufführung in Sachsenhausen.

Erstaufführungen:

Samstag, 17. April 2010 15:00 Uhr: Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen: Tag der Begegnung aus Anlass des 65. Jahrestages der Befreiung
Filmpremiere und Zeitzeugengespräch mit Charles Dekeyser, Straße der Nationen 22, D 16515 Oranienburg

Samstag, 24. April 2010 15:00 Uhr: KZ Gedenkstätte Flossenbürg: Treffen ehemaliger Häftlinge und Jugendbegegnung anlässlich der Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg
Filmvorführung und Zeitzeugengespräch mit Charles Dekeyser in Anwesenheit des Ministerpräsidenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und des Leiters der Gedenkstätte Herrn Dr. Jörg Skriebeleit

Donnerstag 29. April 2010 20:00 Uhr: Kulturzentrum Jünglingshaus Eupen, Neustraße 86, 4700 Eupen




 

 

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EXTERNE AUFTRÄGE


Koordination der „Aktionstage Politische Bildung“


Demokratieerziehung in Brüssel


Vertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft in der „Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research“


Vertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft im pädagogischen Beirat des „Jüdischen Museums der Deportation und des Widerstandes in Mechelen“


Vertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Verwaltungsrat der Gedenkstätte Breendonk



 

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